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Die Stadt von morgen

Posted by Guido on 14. Mai 2012 with No Comments as , ,

Wer sich mit der Geschichte der Menschheit auskennt, der stößt immer wieder auf Phasen, in denen Neuerungen aufkamen, die kurzfristig auch bald wieder in der Versenkung veschwanden, dann aber viel später in der Zukunft Einzug in unseren Alltag fanden! Nehmen wir Beton zum Beispiel: Die alten Römer nutzten schon diesen Baustoff, auch wenn er nach der Römerzeit zunächst in Vergessenheit geriet, und nicht vor Beginn des 20. Jahrhunderts Bestandteil unseres Alltags wurde.

Ein anderes Beispiel ist das Fensterglas. Obwohl schon zu antiker Zeit die Reichen sich Glasfenster einbauen ließen, blieb es bis zur Industrialisierung nur den wohlhabendsten Familien vorbehalten, sich verglaste Fenster leisten zu können! Glas geriet zwar, laut geschichtlicher Aufzeichnungen, nie ganz in Vergessenheit, was aber unbestreitbar ist, das sind die sprunghafte Verbreitung und die damit verbundene Bedeutsamkeit von Glasfenstern heutzutage.

So wie dem Beton oder dem Glas erging es auch anderen Errungenschaften der Menschheit. Dieser Prozess der ‘Wiederentdeckung’ ist quasi eine Art der Rückbesinnung auf Althergebrachtes, und zugleich ist es auch der erfolgreiche Versuch, die Gegenwart zu verändern, indem, mit dem Wissen der Gegenwart, Dinge und Techniken aus der Vergangenheit neu betrachtet werden, was dann mithilfe von Kreativität Neuerungen hervorbringen konnte!

Wir stehen momentan vor einem ernsten Problem: Unsere Städte wachsen, und dieser Wachstumsprozess ist dabei, auszuarten: Wenn die städtischen Ballungsgebiete von heute weiterhin so wie bisher weiter wachsen, dann bleibt den Bewohnern dieser zukünftigen Städte bald immer weniger die Möglichkeit, frische Luft einzuatmen und im Grünen spazieren zu gehen! In jeder zeitgenössischen Großstadt befinden sich Parks, doch überall außerhalb der als Park ausgewiesenen Gegend ist es überwiegend grau: Beton und Glas regieren das Stadtbild.

In der Geschichte gab es vielerseits Bemühungen, die Vorzüge der Städte mit denen der ländlichen Gegenden zu kombinieren, doch bis heute hat sich das Prinzip ‘grüne Stadt’ nicht konsequent durchgesetzt. In Paris gab es beispielsweise im 19. Jahrhundert den Versuch, die großen Boulevards, die wir heute kennen, zu schaffen, und quasi entlang jener Boulevards anstelle einfacher Bürgersteige komfortable Parks anzulegen! Letztendlich wurden viele der geplanten Boulevards auch angelegt, und einige der Parks wurden errichtet, Paris war ‘begrünt’ worden und hatte viele seiner vormals engen Gassen zugunsten breiter Boulevards verloren.

Leider brachte später der Siegeszug des Automobils schließlich die Abschaffung der Parks entlang der Boulevards mit sich, was im Effekt nun überbreite Asphaltstraßen und einfache Bürgersteige, anstelle der gerade vormals angelegten Parks, bedeutete. Breite Straßen passten besser zum Auto, als das Auto in die schmale Straße … .

Andernorts gibt, und gab, es auch Ansätze für die Neukonzeption von Städten … , doch das Bemerkenswerteste ist, dass schon die Urvöker Amerikas, lange bevor Kulumbus aufbrach, ‘Indien’ zu finden, ihre Städte so zu bauen pflegten, dass Agrarnutzung, Stadtinfrastruktur und Lebensqualität nahezu optimal aufeinander abgestimmt waren! Nachdem die Bevölkerung in den Städten dann aber das kritische Maß überstiegen hatte, reichte eine Kleinigkeit schon aus, um Panik um sich greifen zu lassen. Man stelle sich, zum veranschaulichenden Vergleich, einfach ein total überfülltes Fußballstadion vor … ! Die Panik griff offensichtlich so weit um sich, dass die Städte verlassen wurden und damit die Stadtkultur jener Völker jäh verschwand.

Der Mensch braucht lebendige Bäume und Pflanzen um sich herum, sonst wird er krank! Wäre es nicht gut, gerade in der heutigen Zeit, wo augenkundig ein ‘Glaspalast’ nach dem anderen errichtet wird, einmal nach einer stimmigen Gesamtkonzeption der Stadt von morgen zu sinnieren?